Medienkompetenz - kritisch klicken
Shownotes
Soziale Medien sind für die meisten Jugendlichen die erste und immer häufiger auch die einzige Nachrichtenquelle. Das hat Folgen: Fake News, Filterblasen und gezielte Desinformation, getrieben durch algorithmusgesteuerte Feeds, können zu einer verzerrten Wahrnehmung und Radikalisierungen führen. Darum ist es notwendig, dass Lehrkräfte Schüler:innen möglichst differenziert die nötigen Kompetenzen für einen reflektierten Umgang in und mit der Medienwelt vermitteln und sie so zu digitaler Mündigkeit befähigen.
- Gewinne Sicherheit, um Fake News, KI und Desinformation zusammen mit den Schüler:innen im Unterricht einzuordnen.
- Erhalte konkrete Ideen, wie Medienmündigkeit fächerübergreifend gefördert werden kann.
- Entwickle eine zeitgemäße Haltung zu Digitalität, die begleitet statt verurteilt und zum Dialog einlädt.
Im Podcast hörst du Moderatorin Kati Ahl im Gespräch mit Florian Nuxoll, Lehrer und Buchautor
Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:28: Hallo, vielen Dank, dass ich heute hier sein darf.
00:00:31: Du bist Lehrer für Englisch und Gemeinschaftskunde.
00:00:33: Du hast einen eigenen Podcast, Doppelstunde.
00:00:37: Und du bist Vorstandsmitglied bei Journalismus macht Schule.
00:00:41: Hast du denn selber journalistische Erfahrung?
00:00:44: Nee, tatsächlich nicht.
00:00:45: Also ich habe mich immer für die Journalistik interessiert.
00:00:47: Hätte während des Abiturs auch mal überlegt danach, ob ich in diese Richtung gehe.
00:00:51: aber tatsächlich damals mit meiner, ich glaube, man würde heute mir eine L.A.S.
00:00:57: diagnostizieren, wenn ich Schüler wäre, führte es dazu, dass man immer sagte, nee, also schreiben ist doch dann doch nichts für dich.
00:01:03: Mit KI Korrektur wäre es vielleicht was anderes gewesen, aber dann bin ich nicht in den Journalismus reingegangen, aber ich hatte schon immer Interesse, wie funktionieren Medien, was für Aspekte sind da, um zu manipulieren oder zu informieren, sodass die Nähe zum Journalismus schon immer da war, aber nicht selbst aktiv.
00:01:20: Guck mal, früher war Schraben nicht deins, jetzt hast du ein ganzes Buch geschrieben.
00:01:23: Der Titel ist Upgrade Medienkompetenz.
00:01:26: Braucht Medienbildung heute ein Upgrade?
00:01:30: Ich glaube, wie alles fast in der Schule ein Upgrade braucht, braucht auch Medienbildung ein Upgrade.
00:01:34: Und die Sache ist, dass Medienbildung sich in den letzten Jahren extrem verändert hat.
00:01:39: Ich habe in meiner Recherche so für das Buch mal bis bis fünfundvierzig zurückgeguckt.
00:01:45: Das war zunächst, war Medienbildung, Medienkompetenz sehr stark, also aus der Bewahrpädagogik her.
00:01:51: Mit den Erfahrungen des Nationalsozialismus wollte man die Bevölkerung, wollte man Schülerinnen und Schüler vor Medien schützen, vor Manipulationen schützen.
00:01:59: so was wie die FSK und Co.
00:02:01: Und dann in den siebziger Jahren gab ging es Richtung Ermächtigungspädagogik, dass man sagt, okay, wir wollen nicht mehr gucken, was machen die Medien mit uns, sondern wie können wir die Medien sinnvoll einsetzen?
00:02:10: Ich bin ein Kind der achtziger Jahre, ich weiß noch bei mir damals Sesamstraße, Sendung mit der Maus, da wurde immer auch mal wieder erklärt, wie das Ganze funktioniert.
00:02:19: Also ich weiß noch das Sammeln, sondern irgendwann im BlueStream ist immer auf so einer Insel gewesen, auf einmal wurde es klickt gemacht und erklärt, wie hat dieser Trick funktioniert?
00:02:26: mit Blue Screen oder bei der Sendung mit der Maus wird erklärt, wie solche Sachgeschichten produziert werden, wie lange dauert es, bis man diesen Malvo-Zügel dann mal richtig filmt, dass er auch Malvo rausguckt.
00:02:35: Das war auch lange Zeit in den Neunzigern diese Ansätze von Medienbildung in der Schule.
00:02:40: Aber ich glaube jetzt gerade durch die Entwicklung der sozialen Medien, der Algorithmen, müssen wir auch gucken, ob dieses Pendel vielleicht nicht komplett, aber auch wieder ein bisschen Richtung Bewahrpädagogik gehen müssen.
00:02:50: Also wir müssen auf der einen Seite Schüler ermächtigen, aber wir müssen sie auch vor bestimmten Inhalten schützen.
00:02:55: Und deswegen müssen wir das glaube ich nochmal in der Schule neu denken, weil bislang war es auch meistens so, dass die Lehrkräfte wussten, in was wir in der Medienwelt ihre Schülerinnen und Schüler groß werden.
00:03:05: Also wir haben alle ein paar Fernsehsender gehabt, ein paar Radiosender, aber jetzt ist es ja so, die Schülerinnen und Schüler sind nicht mehr.
00:03:11: Also die wenigsten gucken die Tagesschau am zwanzig Uhr.
00:03:13: Wenn man Glück hat, gucken sie irgendwo die Tagesschau in hundert Sekunden auf Instagram oder auf YouTube.
00:03:18: Und wir Lehrkräfte wissen oft gar nicht, wo findet Nachrichten- und Informationskompetenz bei Schülerinnen und Schülern statt.
00:03:25: Und deswegen braucht es auch da schon das Upgrade.
00:03:27: Aber den Lehrkräften und dann natürlich dann auch im Unterricht, wie reagier ich darauf?
00:03:31: Du hast gerade schon die Tagesschau erwähnt.
00:03:34: Wir beide sind vielleicht ein bisschen anders groß geworden.
00:03:36: Da wurde abends noch die Tagesschau geguckt und am Sonntag der Tatort, da war sozusagen die Welt medial noch in Ordnung.
00:03:42: Heute ist das anders.
00:03:44: Wie hast du denn gelernt, mit Medien umzugehen?
00:03:47: Was war damals dein Medienumgang?
00:03:50: Also ich war ein absoluter Medienjunkie.
00:03:51: Also ich habe zu viel geguckt, bestimmt.
00:03:54: Und hätte man mich nicht gestoppt, hätte ich auch den ganzen Tag geguckt.
00:03:57: Aber es war halt trotzdem was anderes, weil es gab ein Bildschirm im Haushalt.
00:04:02: Und wenn ich um zwanzig Uhr was gucken wollte, musste ich die Tagesschau gucken.
00:04:05: Das heißt, ich habe nebenbei auch noch bestimmte Medienkonsume meiner Eltern miterlebt.
00:04:10: Und da kommt man ins Gespräch.
00:04:11: Man sitzt zu vier, zu fünf im Wohnzimmer.
00:04:15: konsumiert etwas gemeinsam, spricht darüber.
00:04:17: Jetzt
00:04:18: fühlt sich ja vieler Lehrkräfte selbst unsicher mit Social Media oder auch mit der Nutzung von KI.
00:04:23: Und wie kann man denn mit diesem Jahr teilweise Wissenslücken umgehen, wenn, du hast selber gesagt, Schülerinnen ganz woanders unterwegs sind, oder fangen wir mal anders an, wo sind dann die Schülerinnen unterwegs?
00:04:34: und was können jetzt die Lehrkräfte tun?
00:04:36: Also zum allergrößten Teil sind sie nicht mehr im linearen Fernsehen und wenn sie nicht bei den Eltern am Auto mitfahren, auch nicht beim linearen Radio.
00:04:43: Das heißt, wo Schülerinnen und Schüler aktiv sind, das ist auf TikTok, auf Instagram, auf Reddit teilweise, aber sonst noch bei anderen Streamingdiensten YouTube, also sind im Internet unterwegs.
00:04:54: Und dort informieren Sie sich nicht unbedingt immer nur bewusst, sondern Sie lassen sich auch unterhalten und irgendwo kommt dann zwischen den Videos von ihrem Hobby oder von irgendeinem aktuellen Meme, kommt dann ein Informationsnippet rein.
00:05:07: Und wenn es dann eine Schülerin interessiert, ein Thema, dann kann es durchaus sein, dass sie sich auch Podcasts dazu anhören oder mal auf YouTube, Video-Podcasts, und die dann auch sehr lange dauern.
00:05:17: Also wir müssen nicht denken, dass sie auch nur dreißig Sekundensnippets hören, sondern es gibt viele Schülerinnen und Schüler, die dann zu Gesundheit oder auch zu politischen Themen sich ein, zwei, zweieinhalb stündige Podcasts anhören und dann in dem Kontext dort auch relativ viel Ahnung haben.
00:05:31: Das ist auch das Gefährliche.
00:05:34: Wir sind ja als Lehrkraft gewohnt normalerweise in unseren Fächern, dass wir mehr wissen als unsere Schülerinnen und Schüler.
00:05:39: Wenn aber dann jemand sich gerade in Podcast anhört zum Thema GASA-Konflikt, aus welcher Seite auch immer, dann wissen die da auch einmal sehr viel und ich weiß da vielleicht als Lehrkraft gar nicht so viel und kann dann gar nicht Gegensteuern.
00:05:52: Die Frage ist, muss ich sie dann laufen lassen?
00:05:54: Und was ich manchmal merke, ist, dass Kolleginnen und Kollegen dann aus diesem Diskurs rausgehen, wenn man sieht, da hat jemand ein Alfa-Mail-Podcast oder ein Feminismus-Podcast oder ein Esoterik-Podcast, dass sich dann Lehrkräftigungen nicht kompetent genug fühlen, damit ins Gespräch einzusteigen und dann diese Diskussion praktisch ausweichen und es lassen.
00:06:12: Und das ist gefährlich.
00:06:14: Wir müssen die Medienwirklichkeit und die Information, so eine Nachrichtenwirklichkeit der Schülerinnen und Schüler, kennen, ernst nehmen und in den Diskurs gehen oder auch noch ins Unterrichten und zwar mitteln von Kompetenzen gehen, weil es da natürlich auch zwischen sehr, sehr vielen guten Inhalten auch manchmal richtig problematische, radikale, in jegliche Richtung gibt.
00:06:32: Und da muss man Schüler und schönen Handwerkszeug an die Hand geben, wie sie dann trotzdem mündige Bürger werden.
00:06:36: Wenn ich das nochmal zusammenfasse, dann heißt das ja, wir haben teilweise fachlich nicht mehr die Wissenshoheit, das Wissensmodopol.
00:06:44: Wir haben teilweise digital nicht das Kompetenzmodopol.
00:06:48: Es kann sein, dass die, die vor uns sitzen, besser Bescheid wissen als wir.
00:06:53: Aber Erkennen denn Erwachsene die Fake News immer so?
00:06:58: Nicht immer.
00:06:59: Also auch da, also bestimmte Manipulationstechniken kennen wir schon immer.
00:07:02: Also so ein Framing, dass man sagt, da fehlt jetzt Kontext und andere Aspekte.
00:07:06: Ich glaube, das ist das, das kennen wir.
00:07:07: Aber wenn man mal so unsere Eltern-Generation fragt und ihnen KI-Videos zeigt, ich habe nicht selten schon die eine oder andere längere Diskussion mit einer Ü-Siebzig-Person geführt, die sagt schon, ich habe das Video gesehen, das stimmt, das ist passiert.
00:07:20: Und man muss ihnen sagen, nee, das ist KI.
00:07:22: Das heißt, auch wir erkennen es nicht immer, aber ich glaube, mit so einem gewissen Werkzeugkoffer zu gucken, diese Aspekte gibt es, die manipulativ wirken.
00:07:33: Und das ist auch, das kann man auch mit historischen, fast schon historischen, die Tabakindustrie in den Sechziger, Siebziger oder Fünfziger, Sechziger Jahren, wie die vorgegangen ist.
00:07:41: Wenn man dieser Mechanismen versteht, dann kann man diese Mechanismen mit den Schülerinnen und Schülern vermitteln und die können das dann auf ihr aktuelles Konsumverhalten, Mediennutzungsverhalten anwenden.
00:07:51: Das heißt, wir als Lehrkräfte, ich nehme mich jetzt mal auch als Lehrkräfte, auch wenn es schon ein bisschen her ist, wir als Lehrkräfte können uns nicht mehr sicher darauf verlassen, dass wir gefälschte oder manipulative Informationen erkennen.
00:08:03: Lass uns da mal tiefer einsteigen.
00:08:05: Du unterscheidest ja Desinformationen.
00:08:09: Misinformation, Malinformation.
00:08:11: Das war für mich neu, bevor ich das Buch gelesen habe.
00:08:13: Übrigens, das Buch heißt Upgrade Medien Competence.
00:08:16: Das ist nochmal für alle, die es nachlesen wollen.
00:08:19: Bitte klär uns auf, was sind die drei Formen?
00:08:22: In der Vergangenheit war es oft Fake News als Begriff.
00:08:24: Es gab Fake News Workshops, Schüler und Schüler sollten lernen, falsche Informationen zu identifizieren.
00:08:30: Aber es ist wesentlich differenzierter, denn wir müssen gucken, was für eine Information ist es und warum ist diese jetzt vermittelt worden?
00:08:38: Fangen wir mal bei der klassischen Desinformation.
00:08:41: Desinformation ist, ich weiß, dass etwas falsch ist und ich sage es extra, um andere zu manipulieren.
00:08:47: Also wenn ich jetzt behaupten würde und ich weiß, dass es falsch ist, diese Impfung ist tödlich auf gar keinen Fall nehmen.
00:08:53: Dann habe ich eine manipulative Absicht.
00:08:55: Dann kann es aber sein, dass eine Person das glaubt und mit gutem Gewissen dann wiederum weitergibt.
00:09:01: Das wäre dann nämlich Missinformation.
00:09:03: Das heißt, ich glaube, es ist richtig, ich teile diese Information, der teilt teilweise noch glaubwürdigerweise im Metanter Erna sagt und nicht irgendjemand.
00:09:11: Und dann gibt es noch die Malinformation, was ganz perfid ist.
00:09:14: Das ist eine richtige Information, also die man dann gar nicht widerlegen kann, die aber mit einem manipulativen Ansatz gewählt wurde.
00:09:22: bestimmte Informationen weg und sage etwas, was nicht zu widerlegen ist, weil das stimmt.
00:09:27: Aber in meinem Kontext ist das ganz klar manipulativ, um dann jemanden zum kaufen oder zum kritisch, also falsch kritischen Denken anzuregen.
00:09:37: Ich kann also unterscheiden zwischen ich weiß, dass was falsch ist und gibts absichtlich weiter oder ich weiß gar nicht, dass es falsch ist, aber ich gibts weiter oder... Ich weiß, dass es richtig ist, aber ich reise es so aus dem Kontext, dass es hinterher ganz schräg rüber kommt.
00:09:52: Das passiert ja oft Politikerinnen, deren Aussage aus dem Kontext gerissen wird, dann so eingespielt oder gerahmt wird, dass es ganz schräg klingt.
00:10:01: Perksen hat deswegen auch gesagt, gibt es überhaupt in Podiumsdiskussionen, in Paneldiskussionen im Fernsehen, in der medialen Aufmerksamkeit noch einen echten Dialog?
00:10:11: oder muss ich schon so kommunizieren, dass hinterher nichts aus dem Kontext gerissen wird?
00:10:15: Was würdest du sagen, gibt es da überhaupt unter solchen Bedingungen noch echte Dialoge?
00:10:19: In der Live-Situation ja.
00:10:21: Also ich sehe es inzwischen kritisch.
00:10:22: Ich habe ja auch einen Kapitel zum Thema KI.
00:10:25: Alles was nicht live von mir gesehen wird.
00:10:28: Und am besten in Person bin ich dort.
00:10:31: Kann so leicht manipuliert werden.
00:10:33: Also mit Gemini III, ich hatte es heute mit den Schülern gemacht, einen Klick und die Schüler, ein Schülerfoto, es kann alles daraus werden.
00:10:39: Also wir hatten es jetzt als Weihnachtsbilder, die wurden dann zu elfen, aber man konnte genauso gut dann eine Waffe in die Hand geben oder was auch immer.
00:10:45: Das heißt, ich kann nichts mehr glauben, was ich sehe.
00:10:49: was ich höre im Bild oder im Video.
00:10:53: Und das muss man wissen.
00:10:54: Ich muss das immer kritisch sehen.
00:10:55: Wenn ich aber wirklich in der Penne Diskussion sitze und es ist dann, ich sehe die Person vor mir, ich glaube, dann ist echter Diskurs wieder möglich, es wird eine Renaissance geben, denn es wird immer mehr wahrscheinlich in Präsenzveranstaltungen geben, wo sich Leute austauschen, wo man dann wirklich sich aneinander reibt, unterschiedliche Meinungen hat, aber man weiß, es ist jetzt nicht manipuliert, es wird nicht etwas weggeschnitten, sondern das, was ich da sehe, ist... Die
00:11:20: echte Begegnung wird damit wieder wertvoller, weil wir dann unterscheiden können, was ist echt.
00:11:26: Wo weiß ich genau, dass es nicht gefaked.
00:11:29: Du hast es eben gerade schon angesprochen, du hast mit deinen Schülerinnen gearbeitet.
00:11:33: Ich habe gefunden das Beispiel der Bad News.
00:11:37: Bitte erklär doch mal, wie kann man Desinformationen, Misinformationen, Maleinformationen am besten so vermitteln, dass Schülerinnen erkennen, woran sie das erkennen.
00:11:48: Es gibt verschiedene Möglichkeiten.
00:11:49: Also A ist... Ich als Lehrer habe diesen Werkzeugkasten.
00:11:53: Und wenn dann Schüler mit irgendwas kommen, dann gehe ich live in die Überprüfung.
00:11:55: Also ich bräuchte Zeit als Lehrkraft.
00:11:56: Das ist das, was ich überall einfordere.
00:11:59: Die Ressource Zeit ist am knappsten.
00:12:01: Aber wenn dann Schüler wieder behauptet, hatte ich letztens, nine eleven war ganz klar ein Inside Job.
00:12:07: Hätte ein Podcast gehört, ein dritter Turm ist zusammengefallen.
00:12:11: Da ist aber gar kein Flugzeug rein gefallen.
00:12:12: Das muss gesprengt worden sein.
00:12:14: Und deswegen ist es komplett fake.
00:12:16: Die Geschichte und Amerika hat es gesprengt.
00:12:18: Und da muss man die Zeit nehmen, weil Ich kannte diese World Trade Seven Geschichte Verschwörungstheorie, kannte ich nicht, aber dann nimmt man sich Zeit, guckt rein, recherchiert und findet dann sehr schnell, dass da Physiker waren, der Statiker da waren, die das sehr gut dargelegt haben, warum auch dieser Turm eingestürzt ist, obwohl da kein Flugzeug reingeflogen ist.
00:12:40: Unterrichtszeit, wo wir gemeinsam mit den Schülern Fake News entlarven und nebenbei dann eben diese Methodik vermitteln, wie die ich vor, wo recherchiere ich, wo brauche ich eine gewisse Data Literacy, um dann auch Daten zu hinterfragen.
00:12:52: Und dann gibt es einen anderen Ansatz, Bad News auch als News Game, da müssen Schüler bewusst gucken, was klickt besonders gut, welche Headline, wenn sie besonders negativ ist, wenn sie reißerisch ist, wieso gibt es dann mehr Leser, sodass sie merken, die?
00:13:06: die Auswahl von mir als Redakteur, hat Auswirkungen darauf, wie gut etwas klickt.
00:13:11: Und das ist auch ein Bewusstsein, was Schüler haben müssen.
00:13:15: und dann jetzt aktuell natürlich ganz stark algorithmisches Bewusstsein.
00:13:18: Warum hat der Algorithmus eintlust auf das, was ich sehe?
00:13:22: Ich nenne das immer die algorithmische Zentrifuge.
00:13:24: Der Algorithmus will mich nicht radikalisieren.
00:13:26: Der Algorithmus will, dass ich lange in der App bleibe, damit mir viel Werbung gezeigt werden kann.
00:13:30: Also rein.
00:13:30: Kommerzielle ist monetäres Interesse.
00:13:32: Aber wo bleibe ich besonders drin?
00:13:34: oft bei emotionalen Videos und auch eher Videos, die extremer sind.
00:13:37: Das heißt, wenn ich jetzt als Junge anfange, mich über gesunde Ernährung zu erkunden, bekomme ich dann erst mal da ein paar Videos, dann vielleicht mal Nahrungsergänzungsmittel, dann vielleicht auch mal ein bisschen den Vorschlag gehe häufiger ins Fitnessstudio.
00:13:49: Irgendwann bin ich beim Fitness waren und dann theoretisch könnte ich auch in der Alpha-Mail-Bubble dann landen.
00:13:54: Und auf einmal ist es so, sei richtiger Mann und Frauen gehören in die Küche.
00:13:58: Das ist nicht nur konservativ, das gibt es auch Richtung Isoterik, Richtung Islamismus.
00:14:04: Insgesamt die Tendenz, dass Schülerinnen und Schüler von der Mitte eines Diskurses an die Ränder geschleudert werden durch den Algorithmus.
00:14:10: Und diesen Mechanismus muss man eben auch vermitteln.
00:14:13: Deswegen ist ja auch mein Internet nicht dein Internet.
00:14:16: Wir sehen unterschiedliche Dinge, wenn wir in unsere Geräte reinschauen.
00:14:20: Das, was du geschrieben hast, nennt man ja manchmal auch Rage-Bate oder Bate-Bicking, also das sozusagen ein Köder ausgeworfen wird und wir da emotional verfangen.
00:14:30: Wenn jetzt aber unser Internet immer unterschiedlich aussieht, dann können die Lehrkräfte es recht nicht wissen, was Schülerinnen und Schüler sehen.
00:14:37: Das heißt, was würdest du denn einer Lehrkraft... Raten, die sagt, ich kenne mich kaum auf TikTok aus oder auf Reddit oder Snapchat habe ich noch nicht benutzt.
00:14:48: Wie soll ich denn jetzt Medienkompetenz vermitteln?
00:14:50: Was würdest du da raten?
00:14:51: Ich bin sehr viel online unterwegs auf TikTok, Instagram und Co.
00:14:55: Das kann man nicht von jeder Lehrkraft erwarten.
00:14:57: Das muss man auch.
00:14:58: Ich glaube, wir können da nämlich dann sehr wohl auch die Erfahrungen, die Kompetenzen von den Schülerinnen und Schülern mitnehmen und dass man die Schülerinnen und Schüler erklären lässt.
00:15:07: Okay, in welchem Welt bist du gerade aktiv?
00:15:09: Was sind die Influencer, denen du folgst?
00:15:11: Welche Themen folgst du?
00:15:12: Und dann einfach sich erzählen lassen.
00:15:14: Ich habe schon mal einen Influencer Quartett dann produzieren lassen, wo die Schüler dann zu ihren aktuellen Lieblingsinfluencern, also diese typischen Quartettspiele entwickelt haben.
00:15:22: oder sie erstellen Poster zu ihren Inhalten, tauschen sich darüber aus und dann informieren sie mich darüber, was sie konsumieren.
00:15:30: Und ich kann dann so ein bisschen beobachten, dann aber auch ein Feedback geben und sagen, okay, aber Achtung hier, diese Finanzzipps sind die wirklich so objektiv?
00:15:37: oder will da jemand ein bestimmtes Produkt verkaufen, guck da mal nach.
00:15:40: Das heißt, wieder dieses, ich habe das Metawissen, das vermittel ich und ich schülere auch, wenn das auf ihre aktuellen Inhalte anwenden.
00:15:48: Denn ich kann gar nicht aktuell genug bleiben.
00:15:50: Also die Halbwertzeit von Influencern ist gering.
00:15:53: Also auch eine Lehrkraft, die sagt, mit Tiktok habe ich nichts am Hut, könnte eigentlich ihre Schülerinnen fragen und könnte sagen, auf welche Content Creator sollen wir mal schauen.
00:16:04: Und wenn du sagst nichts am Hut, ich glaube trotzdem muss ich als Lehrkraft mal auf Tiktok gewesen sein.
00:16:09: Ich muss es nicht gut finden, aber ich muss... muss wissen, wie es funktioniert, wie schnell der Algorithmus auch merkt, worauf ich reagiere.
00:16:16: Also da sind dann die Kollegen immer ganz schnell überrascht, dass nach drei, vier, fünf Minuten auf einmal Videos kommen, die man auch wirklich interessant findet.
00:16:22: Und das muss man einmal erlebt haben, um dann auch zu erkennen, warum Schüler abends zehn Minuten TikTok sich vornehmen und zwei Stunden dann vom Einschlafen mit TikTok unterwegs sind.
00:16:30: Also diese Mechanismen verstehen und sich dann die einzelnen Inhalte, wie du ja vorher gesagt hast, jedes Internet ist unterschiedlich, die einzelnen Bubble vorstellen lässt.
00:16:38: Wann bist du denn zum letzten Mal?
00:16:40: einer Falschinformation aufgesessen?
00:16:42: Ich weiß nicht mehr genau, was der Inhalt war.
00:16:44: Das waren auch gestern.
00:16:45: Es ist immer so schnell, wenn man so viele Inhalte sieht.
00:16:47: Aber ich habe dreißig Minuten gebraucht, um nachzugucken, ist das jetzt richtig oder nicht?
00:16:51: Bei manche Sachen, wenn man so rund um Trumpf was hört, hört sich noch so absurd an.
00:16:55: Man sagt, das muss falsch sein.
00:16:56: Ich habe recherchiert und da habe ich da nichts gefunden, da nichts gefunden.
00:16:59: Und es hat mir dann wirklich dreißig Minuten meiner Zeit geraubt, um am Ende festzustellen, nee, das war eine richtige Information.
00:17:06: Und das ist natürlich schwierig.
00:17:07: Also, wenn ich dann als Medienkompetenter erwachsener Mann mit viel Kontext schon so lange braucht, dann ist es natürlich noch schwieriger für Schülerinnen und Schülern, denen ja oft dann auch noch Orientierungswissen da fehlt, das zu validieren oder zu falsifizieren, denn Autos falsifizieren.
00:17:22: braucht natürlich einen gewissenen, kognitiven Aufwand.
00:17:25: Und inzwischen bin ich manchmal in der Meinung, ich meine, Gatekeeper ist ein negativer Begriff, aber ich kann nicht immer alles nur überprüfen und chatten, weil das nur mit einem riesen, kognitiven Aufwand verbunden ist.
00:17:35: Ich brauche einfach verlässliche Quellen, wo ich weiß, wenn ich da unterwegs bin, dann wird das in aller Regel stimmen.
00:17:40: Und wenn das mal nicht stimmt, weil ein Redakteur noch falsch Nachricht aufgesessen ist, dann wird es wieder gerade bestellten, ein paar Tage später.
00:17:47: Deswegen brauchen wir diese Safe Spaces, wo ich weiß, das stimmt mehr oder weniger.
00:17:51: Okay, Safe Space wären eine Lösung.
00:17:54: Du hast ja selbst gesagt, wie aufwendig das ist, zu recherchieren.
00:17:57: Wir müssten ja quasi ständig recherchieren.
00:17:59: Um zu überprüfen, stimmt das noch, was uns an Informationen reingespült wird?
00:18:04: Was sind denn noch Strategien, um möglichst schnell zu überprüfen, ist diese Information richtig?
00:18:09: Ich habe letztens so ein Video gesehen auf Instagram, so ein kleines Reel über, ich weiß gar nicht mehr, ich glaube, in einem Verdubungspark ist irgendwas eingestürzt.
00:18:17: Es kam mir so spekt vor, aber ich dachte, die Zeit investiere ich jetzt nicht.
00:18:20: Was hätte ich tun können, um das zu überprüfen?
00:18:23: Also der erste Schritt ist immer dieses, dass man sagt, man nimmt ob das Horizontale lesen, einmal ganz schnell auch einen zweiten Tab öffnen, den Namen des Parks eingeben und findet das dann... generell statt.
00:18:32: in der Nachrichtenwelt haben da auch andere Leute drüber berichtet.
00:18:35: Wenn es jetzt genau aktuell passiert, das ist manchmal TikTok so, man ist in wie zehn Minuten nachdem es passiert ist, gibt es da schon Videos von, dann wird es zwar noch nicht dort auf anderen Nachrichten stark verbreitet sein, wenn es aber ein bisschen länger her ist, dann findet man das auch auf der Nachrichtenseite vom Google.
00:18:50: Man kann immer leicht in die Bilder rückwärtsuche gehen, einfach ein Screenshot machen und wenn man den Titel des Videos hoch lädt, Kann man oft, wenn es fakes sind, auch schon direkt auf Seiten dann Snoops oder auch beim Korrektiv von Reporterfabrik feststellen, okay, das sind bekannte Misinformationen, die schon seit Wochen, Monaten oder Jahren durch die Gegend warben.
00:19:09: Was müsste denn aus deiner Sicht passieren, damit erst Lehrkräfte und dann Schüler ihnen digital mündiger werden?
00:19:17: Wir brauchen Zeit.
00:19:19: Lehrkräfte müssen gerade wahnsinnig viel machen.
00:19:21: Dafür haben wir oft gar keine Zeit.
00:19:23: Wir brauchen gute Fortbildungen.
00:19:25: Das ist klar.
00:19:27: Budget, das muss nicht nur die Technik zur Verfügung stehen, aber das Problem ist ja Fake News sind in der Regel kostenlos zur Verfügung stehen.
00:19:35: Aber richtige Informationen sind oft hinter einer Paywall.
00:19:39: Also vielleicht bräuchte man für Lehrkräfte und dann später für Kinder oder für Jugendliche unter einundzwanzig.
00:19:45: Es gibt den Kulturpass, vielleicht braucht man auch so den Nachrichtenpass, dass jeder dann eins, zwei Nachrichten abonnieren kann, damit man Zugang zu validen Quellen hat.
00:19:53: Der Nachrichtenpass ist eine gute Idee.
00:19:55: Wie wäre es mit Begegnungen mit echten JournalistInnen?
00:19:58: Ja genau, das ist auch immer ein guter Weg.
00:19:59: Das machen wir.
00:20:00: bei Journalismus macht Julia unter anderem, dass man bei uns im Verein sich melden kann und wir vermitteln.
00:20:07: Journalistenbesuche.
00:20:08: Da kommt dann jemand in der Woche der Pressefreiheit oder rund um den vierten Mai, den Tag der Pressefreiheit, gibt es dann auch mal Promienjournalisten, die dann in Klassen gehen, wir haben Materialien und dann wird einfach mit dem Journalisten, mit der Journalistin gesprochen und die Schüler können alles möglich fragen.
00:20:23: Was sind denn so Nachrichtenfaktoren?
00:20:25: Warum kommt eine bestimmte Sache in die Zeitung, eine andere nicht?
00:20:28: Denn da gibt es ja objektive Kriterien auch.
00:20:31: und dann kann man auch sagen, natürlich gibt es auch Meinungen im Journalismus, aber es muss dann halt klar auch dargestellt werden.
00:20:36: sein als Meinung und wird dann nicht vermischt.
00:20:38: Und dann muss man eine Erfahrung sammeln, dass Journalismus, was verlässlich ist, ist, wie sie arbeiten und dass dort ein Pressekodex gibt und ähnliches.
00:20:45: Und dass es nicht so ist wie bei Influencern, die einfach alles möglich überhaupten können, dass dann nicht verbindlich sein muss.
00:20:51: Vielleicht
00:20:51: wäre das eine gute Idee, den Kodex für Influencerinnen, die sich selbst verpflicht, nicht viel zu informieren.
00:20:58: Genau, sinnvoll wäre es, ja.
00:21:00: Wird das nicht auch eine gute Idee, Content Creator und InfluencerInnen mal gegenüberzustellen und von SchülerInnen herausfinden zu lassen?
00:21:06: Was ist denn jetzt der Unterschied?
00:21:07: Wem würdest du eher glauben?
00:21:10: Ich habe im Buch dann auch einen Teil dazu, wo wir sagen, Influencer, Content Creator, Journalist.
00:21:14: Was sind diese drei Kategorien?
00:21:16: Wieso ist denn der Influencer so glaubwürdig für dich?
00:21:20: Das sind die klassische parasoziale Beziehungen.
00:21:22: Also ich sehe den jeden Tag auf meinem Handy ganz nahe, als ob ich einen Facetime-Video mit der Person mache.
00:21:27: Also ich habe direkt einen Augenkontakt oft im Wohnzimmer, im Schlafzimmer der Person und ich habe fast das Gefühl, dass es eine... Parasoziale Beziehung halt.
00:21:35: Man hat fast das Gefühl, dass es eine Freundin, ein Freund ist.
00:21:38: Und dann ist es eben so, Freundinnen und Freunden traut man schneller.
00:21:42: Das ist klar.
00:21:43: Aber dadurch kann man dann auch stärker manipuliert werden.
00:21:45: Und diese Mechanismen erklärt man ihnen dann auch.
00:21:47: Und dann müssen sie unterscheiden.
00:21:48: Dann stellen sie mal typische Infosensor vor, Content Creator.
00:21:52: Ich komme noch mit ein paar Journalisten und dann analysiert man mal.
00:21:55: Oft auch zu einem Thema, denn es ist aktuell so, dass oft, wenn es ein Thema gibt, da sowohl Journalisten als auch Influencer drüber berichten und dann vergleicht man und guckt, ja, was ist Meinung, was ist Fakt und wie geht wer damit um?
00:22:06: Liebe
00:22:07: Freundinnen und Freunde, wir sind hier auch ganz parasozial.
00:22:10: Wir sind nämlich bei euch im Wohnzimmer oder im Auto dabei, wenn ihr unseren Podcast einfach unterrichten hier hört.
00:22:17: Und wenn ihr euch jetzt gefragt habt, um welches Buch geht es nochmal, das heißt Upgrade Medienkompetenz von Florian Nuxol und und ist im Friedrich-Verlag erschienen.
00:22:27: Wir haben heute erfahren, Seeing is believing gilt nicht länger.
00:22:31: Was wir sehen können, können wir nicht unbedingt glauben.
00:22:34: Liebe Hörerinnen und Hörer, bitte denkt nicht, dass ihr Fake News erkennt.
00:22:39: Das ist leider schon überholt.
00:22:41: Das heißt, auch für uns Erwachsene gilt Recherche oder eben die echte Begegnung.
00:22:47: Bei der Panel-Diskussion Live dabei sein, dann wissen wir, das war nicht gefaked.
00:22:54: Eine Sache habe ich unbedingt mitgenommen.
00:22:55: Sobald was auftaucht, was nicht war, ist der Sache nachgehen und sich direkt die Zeit nehmen.
00:23:00: Das ist wahrscheinlich ein unglaublich guter Lerneffekt.
00:23:04: Vielen Dank, Florian Nuxhorn für das Gespräch, für Dein Engagement, für junge Menschen, um sie fit zu machen für Medienkompetenz und letztlich für Demokratie.
00:23:13: Herzlichen Dank.
00:23:14: Vielen Dank,
00:23:22: dir.
00:23:26: Wir bringen innovativen Unterricht für Lehrkräfte auf den Punkt.
Neuer Kommentar